Grundlagen der Hundeernährung
Rohprotein, Rohfett & Co.: Hundefutter-Deklarationen richtig lesen
Was bedeuten die Angaben auf dem Etikett wirklich? Ein verständlicher Blick auf die Weender Analyse und ihre Grenzen.

Auf jedem Hundefutter finden sich Zahlen wie 25 % Rohprotein, 14 % Rohfett oder 8 % Rohasche. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Angaben?
Auf den ersten Blick wirken sie ziemlich eindeutig. Tatsächlich lohnt es sich, genauer hinzuschauen – denn die Werte der sogenannten Weender Analyse beschreiben bestimmte Inhaltsstoffgruppen, sagen aber nicht automatisch etwas über die Qualität eines Futters aus.
In diesem Artikel schauen wir uns deshalb einmal an, was hinter Rohprotein, Rohfett & Co. tatsächlich steckt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Weender Analyse beschreibt die groben Inhaltsstoffgruppen eines Futters – sie bewertet nicht dessen Qualität.
- Rohprotein ist nicht gleichbedeutend mit hochwertigem Protein und sagt allein nichts über Verdaulichkeit oder Aminosäurezusammensetzung aus.
- Rohfett, Rohfaser und Rohasche sind ebenfalls analytisch definierte Größen und sollten nicht isoliert bewertet werden.
- Die Angaben von Trocken-, Nass- und halbfeuchtem Futter sind wegen des unterschiedlichen Wassergehalts nicht direkt vergleichbar.
- Für eine sinnvolle Beurteilung eines Futters braucht es mehr als die Werte der Weender Analyse.
Warum dieses Thema wichtig ist
Wer Hundefutter vergleichen möchte, schaut oft zuerst auf die Zahlen auf der Verpackung: Wie viel Protein, wie viel Fett, wie viel Rohasche? Schnell entsteht dabei der Eindruck, dass sich die Qualität eines Futters anhand dieser Werte beurteilen lässt.
Die Zahlen liefern wichtige Informationen über die Zusammensetzung eines Futters. Um sie richtig zu verstehen, muss man allerdings wissen, was hinter den einzelnen Angaben steckt – und was sie nicht verraten. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Futterdeklarationen besser einordnen und sinnvoll miteinander vergleichen.
Was ist die Weender Analyse?
Die Weender Analyse ist ein klassisches Verfahren, mit dem Futtermittel anhand ihrer grundlegenden chemischen Zusammensetzung untersucht werden. Sie wurde ursprünglich für die Futtermittelanalytik entwickelt und wird bis heute als Grundlage für die Beschreibung wichtiger Inhaltsstoffgruppen verwendet.
Dabei wird ein Futtermittel vereinfacht gesagt in verschiedene Fraktionen aufgeteilt – unter anderem Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Wasser. Die sogenannten N-freien Extraktstoffe werden anschließend aus den übrigen Werten rechnerisch ermittelt.
Die Weender Analyse beschreibt, welche Stoffgruppen in einem Futter enthalten sind. Sie sagt jedoch nicht, wie hochwertig diese sind oder wie gut ein Hund sie verwerten kann.
Was wird bei der Weender Analyse untersucht?
Bei der klassischen Weender Analyse werden verschiedene Größen erfasst bzw. berechnet:

- Rohprotein beschreibt den Gesamtgehalt an stickstoffhaltigen Verbindungen eines Futtermittels. Der Wert wird nicht direkt als Protein gemessen, sondern aus dem bestimmten Stickstoffgehalt des Futters berechnet. Damit gibt der Rohproteingehalt einen Hinweis darauf, wie viel stickstoffhaltige Substanz ein Futter enthält. Er sagt jedoch nicht, welche Qualität die enthaltenen Proteine haben, welche Aminosäuren sie liefern oder wie gut sie vom Hund verdaut und verwertet werden können.
- Rohfett bezeichnet die Fettfraktion eines Futtermittels, die mit dem jeweiligen Analyseverfahren extrahiert werden kann. Dazu gehören neben verschiedenen Fetten auch bestimmte fettlösliche Bestandteile. Der Wert gibt damit Auskunft über den Gehalt an extrahierbaren Fetten und fettähnlichen Stoffen, nicht jedoch über deren Zusammensetzung oder Qualität.
- Rohfaser bezeichnet eine analytisch bestimmte Fraktion der pflanzlichen Faserstoffe. Sie umfasst vor allem schwerer lösliche Bestandteile der pflanzlichen Zellstruktur, insbesondere Anteile von Zellulose und Lignin. Der Wert gibt damit einen Hinweis auf den Gehalt an schwerer löslichen Faserbestandteilen, bildet aber nicht die Gesamtheit der im Futter enthaltenen Ballaststoffe ab.
- Rohasche meint den anorganischen Rückstand, der nach dem Veraschen eines Futtermittels zurückbleibt. Dazu gehören vor allem Mineralstoffe und Spurenelemente, aber auch andere anorganische Bestandteile können enthalten sein. Der Wert gibt damit Auskunft über den Gesamtgehalt an anorganischer Substanz, sagt allein jedoch nichts darüber aus, welche Mineralstoffe in welchen Mengen enthalten sind.
- Feuchtigkeit (Wasser) gibt an, wie viel Wasser ein Futtermittel enthält. Der Wert wird als Anteil des Gesamtfutters angegeben und umfasst sowohl frei vorhandenes als auch im Futter gebundenes Wasser. Bei Futtermitteln für Hunde und Katzen muss der Feuchtigkeitsgehalt in der Regel erst ab mehr als 14 % angegeben werden. Deshalb findet man auf vielen Trockenfuttern keine entsprechende Angabe. Für eine überschlägige Berechnung kann man bei einem solchen Trockenfutter mit 10 % Feuchtigkeit rechnen. Wie sich der unterschiedliche Wassergehalt auf die Vergleichbarkeit von Trocken-, Nass- und halbfeuchtem Futter auswirkt, zeige ich ausführlich im Artikel Trockenfutter oder Nassfutter – was ist besser für meinen Hund?
- N-freie Extraktstoffe (NfE) werden im Gegensatz zu den anderen Bestandteilen der Weender Analyse nicht direkt gemessen, sondern aus den übrigen Analysewerten berechnet. Sie bilden die rechnerische Restfraktion und umfassen vor allem lösliche Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker. Die Berechnung erfolgt nach folgender Formel:
NfE (%) = 100 − Rohprotein − Rohfett − Rohfaser − Rohasche − Wasser.
Die Werte müssen dabei alle in Prozent und auf derselben Bezugsbasis vorliegen. NfE ist dabei nicht einfach gleichbedeutend mit „Kohlenhydrate insgesamt“, sondern eine rechnerisch ermittelte Fraktion der Weender Analyse.
Was sagt uns die Weender Analyse nicht?
Die Weender Analyse liefert wichtige Informationen über die Zusammensetzung eines Futters. Für eine umfassende Beurteilung reichen diese Angaben jedoch nicht aus.
Sie gibt uns beispielsweise keine zuverlässige Auskunft über:
- die Qualität und biologische Wertigkeit der enthaltenen Proteine
- die Aminosäurezusammensetzung
- die Verdaulichkeit und tatsächliche Verwertung der Nährstoffe
- die Zusammensetzung der enthaltenen Fette und das Fettsäureprofil
- den gesamten Ballaststoffgehalt
- die genaue Zusammensetzung der Mineralstoffe
- die Eignung eines Futters für den individuellen Nährstoffbedarf eines bestimmten Hundes
Auch die einzelnen Prozentwerte sollten nicht isoliert betrachtet werden. Sie beschreiben Stoffgruppen und sind deshalb vor allem dann sinnvoll, wenn man weiß, was genau hinter ihnen steckt und welche weiteren Informationen für die Beurteilung eines Futters benötigt werden.
Ein wichtiger Unterschied: der Wassergehalt
Der Wassergehalt eines Futters beeinflusst, wie konzentriert die übrigen Nährstoffe darin vorliegen. Deshalb lassen sich die angegebenen Prozentwerte von Trocken-, Nass- und halbfeuchtem Futter nicht direkt miteinander vergleichen.
Für einen sinnvollen Vergleich betrachtet man die Nährstoffgehalte auf Trockensubstanzbasis – also bezogen auf den Anteil des Futters, der nach Abzug des enthaltenen Wassers übrig bleibt.
Was braucht man für eine sinnvolle Futterbeurteilung zusätzlich?
Die Weender Analyse ist ein wichtiger Baustein, wenn man ein Hundefutter beurteilen möchte. Für eine umfassendere Einschätzung braucht es jedoch weitere Informationen.
Dazu gehören je nach Fragestellung unter anderem die Zusammensetzung des Futters, die Angaben über zugesetzte Mineralstoffen und Vitaminen, der Energiegehalt, evtl. Angaben zu Aminosäuren und Fettsäuren und die Information, ob es sich um ein Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel handelt. Und vor allem muss das Futter zum individuellen Bedarf des jeweiligen Hundes passen. Welche Nährstoffmengen ein Hund benötigt und worauf es bei einer bedarfsdeckenden Fütterung ankommt, wird ausführlich im Artikel Bedarfsdeckend füttern erklärt.
Die Weender Analyse liefert also wichtige Grundinformationen – für sich allein ist sie jedoch noch keine vollständige Futterbewertung.
Häufige Fragen
Ist ein hoher Rohproteingehalt automatisch besser?
Nein. Der Rohproteingehalt allein sagt nichts über die Qualität, Aminosäurezusammensetzung oder Verdaulichkeit der enthaltenen Proteine aus.
Ist ein hoher Rohaschegehalt ein Zeichen für schlechtes Hundefutter?
Nein. Rohasche bezeichnet den anorganischen Rückstand des Futters. Erst die Zusammensetzung der enthaltenen Mineralstoffe ermöglicht eine sinnvollere Beurteilung.
Kann man den Kohlenhydratgehalt eines Futters aus der Weender Analyse ablesen?
Nicht direkt. Die N-freien Extraktstoffe werden rechnerisch ermittelt und umfassen vor allem lösliche Kohlenhydrate. Sie sind nicht mit dem gesamten Kohlenhydratgehalt gleichzusetzen.
Gibt es Werte in der Weender Analyse, die gegen ein bestimmtes Futter sprechen?
Nicht pauschal. Ein einzelner Wert macht ein Futter nicht automatisch ungeeignet. Ob beispielsweise ein bestimmter Rohfett-, Rohprotein- oder Rohaschegehalt sinnvoll ist, hängt unter anderem vom gesamten Futter und vom individuellen Bedarf des Hundes ab. Die Weender Analyse kann deshalb Hinweise liefern, sollte aber nicht als alleinige Grundlage für ein „gut“ oder „schlecht“ verwendet werden.
Fazit
Die Weender Analyse liefert wichtige Informationen über die grundlegende Zusammensetzung eines Hundefutters. Sie zeigt, wie viel Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Wasser enthalten sind und welche N-freien Extraktstoffe sich daraus rechnerisch ergeben.
Für die Beurteilung eines Futters sind diese Zahlen ein hilfreicher Ausgangspunkt – aber kein vollständiges Qualitätsurteil. Erst im Zusammenhang mit weiteren Angaben und dem individuellen Bedarf des Hundes lässt sich beurteilen, ob ein Futter sinnvoll zusammengesetzt und für einen bestimmten Hund geeignet ist.
Die Weender Analyse ist ein wichtiges Werkzeug. Sie erzählt aber nicht die ganze Geschichte eines Futters.
Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden sollte dein Hund tierärztlich untersucht werden.
